Das große Schneiden
Gehölze muss man schneiden – mehr oder weniger regelmäßig und in unterschiedlichen Versionen. Das ist eine Wissenschaft für sich. Tatsächlich wird das auch nicht mein Hobby werden. Wobei es mir nicht um die Arbeit an sich geht, obwohl – es gibt nettere Arbeiten meiner Meinung nach, sondern um dieses ganze Theater drumherum.
Wann darf welcher Strauch welchen Schnitt bekommen, wie tief, an welcher Stelle, über welchem Auge? Fragen über Fragen. Die kann man sich leicht über Bücher oder das Internet beantworten lassen. Aber dann – sehr spannend – wann? Da gibt es das Bundesnaturschutzgesetz. Das besagt, dass zwischen dem 01. März und dem 30. September Gehölze, Hecken, Sträucher, lebende Zäune usw. nicht geschnitten oder beseitigt werden dürfen. Das wiederum bedeutet, mir sitzt die Zeit im Nacken.
Bei Frost schneiden soll man nämlich auch nicht, es hat aber die ganze Zeit gefroren. Viele Frühblüher müssen nach der Blüte geschnitten werden, und geblüht haben sie ja noch nicht. Im Herbst würde man die Blütenansätze mit wegschneiden, im Frühjahr vor der Blüte ebenfalls. Schon hat man ein Problem. Wann bitte soll man denn noch schneiden? Bei allem Verständnis für Vogelschutz – aber manchmal nervt es wirklich.
Wenn ich mich dann in den letzten Tagen des Februars – der hoffentlich frostfrei und trocken ist – weil im nassgeregneten steilen Hang auf rutschigem Boden zu arbeiten ist unnötig gefährlich – habe ich wieder einen riesigen Berg Schnittgut da liegen, der irgendwie wegmuss. Nächste Schikane: Die Biotonne, worin das Schnittgut entsorgt werden könnte, wird in Köln in den Wintermonaten, einschließlich Februar, nur alle 14Tage statt wöchentlich geleert. Also genau, wenn man es braucht. Der Häcksler frisst nur Äste bis 4 cm Durchmesser. Abgesehen davon macht das Schreddern auch keinen Spaß. Was für ein Theater. Vielleicht muss man ein Mann sein, um solche Aktionen zu mögen? Die sehe ich in den Nachbargärten jedenfalls mit Begeisterung sägen – mit möglichst großem und lautem Gerät. Man(n) muss ja Eindruck schinden.
Aber es nützt ja alles nichts. Augen zu und durch. Das erste warme Wochenende hat meine Stimmung so weit in Richtung Euphorie geschoben, dass ich, mit Schere, Akku-Sägen und Häcksler bewaffnet, den Garten gestürmt habe.
Die Korkenzieherhasel Corylus avellana muss weg – komplett. Ehrlich gesagt finde ich sie auch nur in Winter schön. Sobald das Laub austreibt, finde ich den düsteren Strauch potthässlich. Außerdem steht gleich daran anschließend ein alter Fliederstrauch. Von dem war damals bei unserem Einzug, als ich die Hasel pflanzte, nichts zu sehen. Der Flieder ist mir lieber als die Hasel und wird sich jetzt hoffentlich entfalten. Zudem kann ich den jammervoll triefenden Anblick meines hoch allergischen Schwiegersohns nicht mehr ertragen. Also weg damit. Äh – mit der Hasel, nicht mit dem Schwiegersohn.
Die Nachbarschaft hat übrigens gerne Zweige für die Vase genommen. Das führt zu weniger Schnittgut und netten Unterhaltungen.
Behalten werde ich allerdings die jungen Haselruten. Die geben prima Staudenstützen oder Spaliere ab. Da ich die Wurzeln der Hasel aus dem alten Gewirr der Ahornwurzeln im Hang nicht ausgraben kann, werde ich damit wohl auch weiterhin versorgt, was ja gar nicht schlecht ist.
Die verschiedenen Sommerflieder Buddleja bekommen jetzt einen kräftigen Rückschnitt. Wobei einer für einen Versuch von Formschnitt herhalten muss. Ich will versuchen, ihn schmal zu bekommen. Also wie einen Hochstamm. Ich bin gespannt, ob das was wird. Ein anderer ist so enorm gewachsen, dass er dringend im Zaum gehalten werden muss.
Das sieht doch jetzt schon viel lichter und luftiger aus. Der bisher von der Hasel verdeckte Freilandhibiskus Hibiscus syriacus ‚Marina‘ hat nun auch Raum für sich und kommt viel besser zur Geltung.
Und jetzt wieder ab in den Garten. Häckseln, zerlegen, beseitigen. Ach, wäre es doch schon vorbei. Ist es aber noch lange nicht, denn als Nächstes ist der Staudenrückschnitt dran und schon bald folgen die Rosen.
Bis bald

Hallo liebe Claudia,
ojeh, bin ich froh, dass ich das nicht machen muss. Ich wüsste ja garnicht wo ich anfangen sollte.
Ganz liebe Grüße
Clara
Hallo Clara,
was muss, das muss. Und wenn man muss, schafft man es auch meistens. Spaß macht es trotzdem nicht.
Viele Grüße
Claudia
Jetzt zieht es mich nur noch mehr in den Garten, dabei sind unsere paar Sträucher noch so klein, dass ich gar nicht viel schneiden muss. Dem Mitgärtner graut es aber vor solchen Aktionen, wie ihr sie jetzt hattet und daher steht er meinen Pflanzplänen sehr skeptisch gegenüber. Aber was tut man nicht alles für einen schönen grünen und blühenden Sommergarten!
Hallo,
ach, das wird sich naturgemäß ändern. In ein paar Jahren sehen die Sträucher ganz anders aus. Dann habt ihr auch den „Spaß“ den ich jetzt habe. Geht schneller als man denkt.
Viele Grüße
Claudia
Hallo Claudia,
uns geht es dieses Jahr ähnlich. Erst waren wir Ende Januar zwei Wochen im Urlaub und anschließend zwei Wochen durch einen Infekt nicht im Garten einsatzfähig und nun läuft die Zeit! Zum Glück ist mein Mann gut mit „Männerspielzeug“ausgerüstet und hat Freude am schneiden. Drei große Kirschloorbeersträucher hat er inzwischen gerodet …
Liebe Grüße
Susanna
Hallo Susanna,
Hauptsache ihr seid wieder gesund. Du würdest mir deinen Mann nicht mal kurz ausleihen? Männer(Frauen)spielzeug ist vorhanden. Die Lust auf die Arbeit fehlt trotzdem. Pflanzen einsetzten finde ich viel netter.
Viele Grüße
Claudia
Hallo Claudia,
bei uns wird die Biotonne immer 14täglich geleert, aber letzte Woche war erst Streik, dann Nachwirkungen vom Streik oder was auch immer, jedenfalls ist sie jetzt dann halt 4 Wochen proppevoll, obwohl der Leerungstermin nicht am Streiktag gewesen wäre.
VG
Elke
Hallo Elke,
das ist hier ein echtes Desaster, seit in Köln auch alle Küchenabfälle, also auch Gekochtes, Fleischreste usw., über die Biotonne entsorgt werden müssen. Man kann sich den Mief vorstellen.
Viele Grüße
Claudia
Werkzeug hätte ich verliehen …
LG Susanna